ISO 14644-3: Die Erholzeit richtig messen

Die Erholzeit ist der Leistungsnachweis der Lüftungsanlage

Klassifizierung und Filterlecktest beschreiben einen Zustand. Die Erholzeit beschreibt dagegen ein Verhalten: Wie schnell bringt die Anlage den Raum nach einer Störung wieder in den geforderten Reinheitszustand? Damit ist sie eine der wenigen Prüfungen, die die dynamische Leistungsfähigkeit von Lüftung und Filtration unmittelbar sichtbar macht – und einer der aussagekräftigsten Indikatoren, wenn eine Anlage über die Jahre nachlässt.

Das Verfahren nach ISO 14644-3

ISO 14644-3 beschreibt die Erholzeitmessung als Abklingversuch. Der Ablauf folgt in allen Varianten demselben Muster:

  • Ausgangskonzentration herstellen: Über ein Prüfaerosol wird die Partikelkonzentration im Raum gezielt auf etwa das Hundertfache des Zielwertes angehoben.
  • Abklingen messen: Nach dem Ende der Aerosoleinbringung wird die Konzentration an definierter Position in festem Zeitraster fortlaufend gemessen, bis der Zielwert wieder erreicht ist.
  • Auswerten: Ergebnis ist die 100:1-Erholzeit – die Zeit bis zum Absinken auf ein Hundertstel der Ausgangskonzentration.
  • Anwendungsgrenze beachten: Das Verfahren ist für nicht-unidirektionale Strömung vorgesehen. In unidirektional durchströmten Bereichen ist es fachlich nicht sinnvoll, weil dort keine Mischlüftung mit abklingender Konzentration vorliegt.

Typische Stolperfallen

Die meisten unbrauchbaren Erholzeitmessungen scheitern nicht am Raum, sondern am Versuchsaufbau: eine Ausgangskonzentration, die den Messbereich des Partikelzählers überschreitet und ohne passende Verdünnungsstufe zu Koinzidenzfehlern führt; eine Sondenposition, die zu nah an der Aerosolquelle oder im Zuluftstrahl liegt; ein zu grobes Zeitraster, das den Abklingverlauf nicht mehr abbildet; und eine Dokumentation, die am Ende nur das Ergebnis zeigt, nicht aber den Verlauf, auf dem es beruht.

Erholzeit oder Cleanup-Dauer?

Beide Kennzahlen werden oft in einem Atemzug genannt, meinen aber nicht dasselbe. Die Erholzeit nach ISO 14644-3 beruht auf einer künstlich eingebrachten Störung und dient dem Nachweis der Anlagenleistung. Die Cleanup-Dauer nach EU GMP Annex 1 beginnt mit dem Ende der realen Tätigkeit im Raum und weist nach, dass der Ruhezustand rechtzeitig wieder erreicht wird. Den ausführlichen Vergleich haben wir auf einer eigenen Seite zusammengestellt: Cleanup-Dauer vs. Recovery-Zeit.

Wie Moqlero die Messung trägt

Recovery und Clean-up sind in Moqlero eigene Messtypen mit hinterlegtem Ablauf und eigenen Akzeptanzkriterien. Die Abklingmessung läuft als Sequenz automatisch am Gerät ab, die Einzelwerte werden mit Zeitstempel erfasst und als Verlauf ausgewertet. Wiederholungen lassen sich gezielt für einzelne Anlagen anstoßen, ohne das gesamte Testset zu wiederholen, und der Trendtyp für Erholzeiten macht eine schleichende Verschlechterung über mehrere Kampagnen hinweg sichtbar.

Wer die Erholzeit sauber misst, erkennt Anlagenprobleme, bevor sie zu Abweichungen werden!